Pflege 2017 - Ein Referenzmodell des ASB in Sachsen

 

Beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) in Sachsen beschäftigt man sich in dem Projekt "Pflege 2017" seit über einem Jahr mit dem am 01. Januar 2017 in Kraft getretene neue Pflegestärkungsgesetz. Mitarbeiter aller Ebenen wurden geschult und schulen selbst. So soll eine bestmögliche Umsetzung und damit Verbesserung der Pflegesituation sowohl für die pflegebedürftigen Menschen als auch für das Pflegepersonal erreicht werden.

 


Foto: ASB/Barbara Bechtloff

Überreglementiert, unpersönlich und unzureichend - das sind Beschreibungen, die wohl vielen Menschen spontan einfallen, wenn sie an die bisherige Pflegegesetzgebung denken. Mitarbeiter des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MdK) begutachten pflegebedürftige Menschen und errechnen minutengenau den Pflegebedarf, natürlich alles streng nach Recht und Gesetzeslage. Dieser errechnete Pflegebedarf hat oft jedoch wenig mit dem zu tun, was sowohl Betroffene als auch pflegende Personen als wirklichen und notwendigen Bedarf empfinden. Viel zu knapp sind die Zeiten bemessen und viel zu hoch der Dokumentationsaufwand, insbesondere bei Pflegediensten und in Pflegeeinrichtungen. Gerade für die so wichtige Zuwendung zum Aufbau einer persönlichen emotionalen Nähe fehlt es an Zeit.

Seit dem 1. Januar 2017 ist nun das Pflegestärkungsgesetz II in Kraft getreten, welches in der Pflege Grundsätzliches ändern und verbessern soll. Dies sowohl für die zu pflegenden Menschen als auch für die Pflegerinnen und Pfleger. Aus Pflegestufen wurden Pflegegrade. Der Pflegebedürftige soll als Person in den Vordergrund rücken. Die Pflege soll deutlich entbürokratisiert, Dokumentation vereinfacht werden und pflegendes Personal mehr Zeit für die ihm anvertrauten Menschen erhalten.

Der Landesverband des Arbeiter-Samariter-Bundes und seine angeschlossenen Verbände und Einrichtungen haben sich dieses Themas nun schon seit weit über einem Jahr intensiv angenommen. Für Uwe Martin Fichtmüller, Landesgeschäftsführer des ASB in Sachsen, ist das neue Pflegestärkungsgesetz und der damit einhergehende Paradigmenwechsel „eine große Chance, die Bedingungen in der Pflege nachhaltig zu verbessern. Wir hoffen, mit den neuen Voraussetzungen, pflegebedürftigen Menschen noch besser diejenige Unterstützung geben zu können, die sie unserer Ansicht nach wirklich benötigen. Und wir freuen uns, mit den verbesserten finanziellen und personellen Rahmenbedingungen unsere Pflegekräfte vor Ort entlasten zu können. Die Arbeit in der Pflege ist eine anstrengende und herausfordernde Tätigkeit, die häufig über die Grenzen der Belastbarkeit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hinaus geht. Das neue Pflegemodell fokussiert sich zuallererst auf die Interaktion zwischen den Pflegebedürftigen und den pflegenden Personen. Es berücksichtigt die menschliche Beziehung und definiert diese als Voraussetzung für eine gute und erfolgreiche Pflege. Damit sind die Voraussetzungen geschaffen für eine Pflege, wie wir sie uns als Arbeiter-Samariter wünschen und vorstellen."

In diesem Sinne arbeitet der ASB auf allen Ebenen seiner Organisation an der zügigen Einführung neuer Pflegemodelle und der seit 1. Januar 2017 geltenden Standards. Multiplikatoren wurden geschult, die das neue Wissen in die entsprechenden Einrichtungen tragen. „So können wir in diesem neuen komplexen Prozess alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestmöglich mitnehmen", hofft Fichtmüller „und wir bekommen direkte Rückmeldungen wenn etwas besonders gut oder auch gar nicht funktioniert und können so nachjustieren."

„Grundsätzlich", so der ASB-Landesgeschäftsführer weiter, „entscheiden unsere Einrichtungen selbst, welches konkrete Pflegemodell sie zukünftig einführen. Das hängt vor allem von der Struktur der Bewohnerschaft in den einzelnen Einrichtungen ab. Um die bestmögliche Betreuung zu gewährleisten sind individuelle Lösungen gefragt. Diese wiederum genau zugeschnitten auf die spezifische Lebens- und Gesundheitssituation jedes einzelnen Pflegebedürftigen, den wir unterstützen."

„Bei der Pflege demenzkranker Menschen setzen wir ein ganz besonderes und einzigartiges Pflegemodell ein, Mäeutik genannt", berichtet Fichtmüller nicht ohne Stolz. „Das Konzept hat seinen Ursprung in Holland. Es stellt den Kontakt zwischen dem Pflegebedürftigen und der Pflegefachkraft ins Zentrum. Dieser Kontakt soll bewusst erfahren und als wesentlicher Teil der Arbeit wertgeschätzt werden. Das Einfühlen in sein Gegenüber, das eigene Erleben bewusst wahrnehmen und den Anderen annehmen wie und mit allem, was er ist, sind die Grundpfeiler dieses Konzeptes. Unsere Betreuung basiert dabei auf der Grundannahme, dass die Pflege selbst unser Handwerk ist, dagegen die Art und Weise wie wir pflegen und mit den alten Menschen umgehen, Ausdruck unserer Persönlichkeit ist und damit entscheidend für das Wohlbefinden unseres Gegenübers", erläutert Fichtmüller abschließend.